Hintergründe

Von Trier über Koblenz und Bonn bis nach Köln wird die Flossreise gehen, für die sich Aktivist*innen von ROBIN WOOD und ContrAtom mit lokalen Gruppen zusammen getan haben. Entlang der Strecke auf Mosel und Rhein informieren die Aktiven über die gefährlichen Transporte, die permanent und heimlich quer durch die Republik stattfinden. Denn es finden nicht nur Castor-Transporte statt. Züge, Schiffe und LKWs transportieren täglich Uran über tausende von Kilometern, um den Nachschub für Atomkraftwerke in aller Welt zu sichern.

Zwischen Köln und Trier verkehren verschiedene Arten von Urantransporten:

1) Uranerzkonzentrattransporte (Yellow Cake)

 1.a. Was wird transportiert

Befördert wird Uranerzkonzentrat, besser bekannt unter dem Namen ‚Yellow Cake‘ aus Uranminen in Namibia, Kasachstan und Usbekistan. Das Uran kommt per Schiff nach Hamburg und wird dort auf Züge umgeschlagen. Die weitere Route führt über Münster, Köln und Trier nach Narbonne in Süd-Frankreich.

Gerade beim Uranabbau und dem Auswaschen des Uranerzes kommt es zu großen Umweltzerstörungen und ungeheuren Müllmengen direkt vor Ort. Gesammelte Infos zum Uranabbau gibt es bei wise-uranium.org.

1.b. Ziel dieser Transporte: die AREVA Uranfabrik

Die AREVA-Fabrik in Narbonne-Malvési spielt in der atomaren Kette vom Rohstoff zum Brennstoff (und zum Atommüll) eine Schlüsselrolle. Dort fängt die Atomspirale auf europäischem Ebene an . 26% des weltweiten Uranrohstoffes wird dort verarbeitet. Es gibt weltweit fünf weiteren Anlagen (Kanada, China, USA, UK und Russland). Der AREVA-Konzern exportiert 58% seiner Produktion in aller Welt.

Das Uranerzkonzentrat wird in einem ersten Schritt in Narbonne Malvesi  in Urantetrafluorid (UF4) und in einem zweiten Schritt in Pierrelatte (Rhône-Tal)  in Uranhexafluorid (UF6) umgewandelt. Dies kann dann in einer Urananreicherungsanlage (wie in Gronau) angereichert werden. Für die Umwandelung in UF4 in Narbonne Malvési sind hoch giftige, ätzende Chemikalien wie Salpetersäure, gasförmiges Ammoniak und Flusssäure nötig. Zahlreiche Arbeiter*innen der dortigen Anlage sind an Krebs erkrankt oder gestorben.

Weitere Informationen

2) UF6-Transporte

2.a. die UAA Gronau

In der Uranreicherungsanlage in Gronau wird Uranhexafluorid für die Weiterverarbeitung zu Brennelementen angereichert. Im Zentrifugenverfahren wird der Anteil des spaltbaren Isotops Uran-235 von 0,725 auf 3-6 Prozent erhöht. Trotz 7000 Einsprüchen genehmigte die rot-grüne Landesregierung 2004 den Ausbau der Anlage. Bis 2011 wurde die Anlage auf 4500 t Urantrennarbeit pro Jahr ausgebaut. Diese Menge reicht zur Versorgung von etwa 35 Atomkraftwerken und deckt 10 Prozent des Weltmarktanteils für angereichertes Uran. Mit einem Bau eines neuen Lagers für 30.000 Tonnen abgereichertes Uran wurde begonnen. Bereits jetzt lagern abgereicherte-Uranhexafluorid-Behälter auf dem Gelände unter freiem Himmel.

2.b. Versorgungstransporte für die UAA Gronau

In Gronau wird für die Anreicherung Uranhexafluorid benötigt. Momentan wird die Gronauer Anlage  per Schiff  und Bahn aus Kanada und den USA, per Bahn aus Frankreich und per Schiff und LKW aus Großbritannien beliefert.

Wenn das Uran angereichert ist, geht das sogennante Product (mit einem höhern U-235-Anteil von etwa 4%) an Brennelementefabriken in aller Welt.

2.c. Radioaktiver Müll aus der UAA Gronau

Bis 2009 wurde der radioaktive Müll, der bei der Anreicherung von Uran entsteht (ca. 90% der angelieferten Menge bleibt als schwach und mittel radioaktivem Müll übrig, ca. 10% wird als angereichertem Uran zu einer Brennelementefabrik weiter transportiert) auch nach Russland exportiert, dort lagern jetzt etwa 30.000 Tonnen bei Angarsk unter freiem Himmel in rostenden Fässern. Die Menschen in der Umgebung leiden unter steigenden Krebsfällen. Eingestellt wurden die Transporte nach Russland nach intensiven gemeinsamen Kampagnen mit russischen Atomkraftgegner*innen und spektakulären Aktionen zu mehreren Transporten.

Gerade bleibt das abgereicherte Uranhexafluorid zum Teil in Gronau und lagert dort in Fässern unter freiem Himmel.

Der andere Teil wird per Bahn über Köln und Trier  nach Pierrelatte in Frankreich gebracht, dort in Uranoxid konvertiert und soll dann zurück nach Gronau. Diese Rücktransporte aus Pierrelatte sind nach Wissen des Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen noch nicht erfolgt.

Weitere Informationen

3) Allgemeine Hintergründe zu Urantransporten

http://urantransport.de/hintergrund/

http://www.atomtransporte-hamburg-stoppen.de/

4) Flyer